Halleiner Leprosenhauskapelle
Kennt ihr die Leprosenhauskapelle „St. Martin“
Die Leprosenhauskapelle ist wieder öffentlich zugänglich geworden, ein Salzburger Wirt kaufte die Kapelle um 33.000 Euro und will sie vor dem Verfall retten. Doch die Sanierung wird ein Vielfaches des Kaufpreises verschlingen. Leider liegt diese auf der stark befahrene Salzachtal Bundesstraße im Halleiner Stadtteil Kaltenhausen und somit ist auch der Zugang zur Kapelle noch mehr erschwert, den es gibt nicht mal hier einen Gehweg für die Bevölkerung und Anrainer.
Geschichte zum Leprosenhaus und der Kapelle in Kaltenhausen
Früher hat sich in der unmittelbaren Nähe der Kapelle auch ein Leprosenhaus befunden (Erstnennung 1379 - 1847). Insgesamt gab es 13 Leprosienhäuser in Stadt und Land Salzburg. Das Leprosenhaus Hallein stellte auch die Pfleggerichtsgrenze zwischen dem Pfleggericht Glanegg und dem Stadtgericht Hallein dar. Im Haus fanden waren durchschnittlich fünfzehn unbemittelte Halleiner Bürger die hier wohnten und gepflegt wurden.
In der Leprosenkapelle gibt es erste Schriftfragmente aus dem Jahr 1447. Die Gewölbe weisen im 17. Jahrhundert geschaffene Szenen aus der Merian-Bibel (1625 bis 1627) auf.
Der Schwarze Tod (Pest, Lepra, Tuberkulose)
wird eine der verheerendsten Pandemien der Weltgeschichte bezeichnet. Als Ursache gilt die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufene Pest. Das Wort „Pest“ leitet sich vom lateinischen Wort pestis für Seuche ab und wird daher auch ohne direkten Bezug auf die Krankheit Pest verwendet. Sowie im Jahr 1400 als zweitschlimmste Epidemie des ausgehenden Mittelalters bzw. der jungen Neuzeit. Wenn auch die Zahl der Toten bei dieser zweiten großen Pandemiewelle nicht so hoch war, starben dabei vor allem Kinder und Jugendliche. Weitere große Pestepidemien in Europa waren etwa die Große Pest von London 1665 bis 1666, bei der in Südengland etwa 100.000 Menschen starben (davon alleine 70.000 in London) oder die Große Pest von 1708 bis 1714 in Nord- und Osteuropa mit etwa einer Million Toten. Ende des 19. Jahrhunderts begann in China die dritte Pest-Pandemie.
Was ist Lepra?
Lepra, im deutschen Sprachgebrauch auch „Aussatz“ oder „Hansen-Krankheit“ genannt, ist eine chronische Infektionskrankheit, die in fast allen Entwicklungsländern der Welt auftritt. Ausgelöst durch das Bakterium Mycobacterium leprae, kommt es zu einem Befall von Haut, Mund-, Nasenschleimhaut, Nervenzellen und Augen.
Lepra wurde früher als hoch ansteckende und entstellende Krankheit gefürchtet. Mittlerweile weiß man aber, dass eine Übertragung nur sehr langsam erfolgt und Heilung möglich ist. Da dieses Bakterium nur sehr langsam wächst und sich vermehrt, können zwischen Infektion und dem Auftreten von ersten Krankheitszeichen bis zu 20 Jahre vergehen!
Halleins Leprosenhaus
Das Leprosenhaus von Hallein findet man kurz vor Kaltenhausen, wenn man Richtung Salzburg fährt, auf der rechten Seite. Es ist neben der Kapelle seit 1376 nachweisbar. Das Leprosenhaus wird heute als ganz normales Wohnhaus genutzt, die Leprosenhauskapelle ist nun wieder öffentlich zugänglich, aber in Privatbesitz von Johannes Wächter. Die ursprüngliche Einrichtung der Kapelle ist nicht mehr vorhanden, die Fresken an den Wänden sind in sehr schlechten Zustand und gehören dringend restauriert.
Halleiner Leprosenhauskapelle beherbergte einst einen wahren Schatz!
Der aus der Zeit um 1440 stammende kostbare spätgotische Flügelaltar der Kapelle (eines der wichtigsten Stücke gotischer Tafelmalerei) ist seit 1858 im heutigen Salzburg Museum. Die Altarmalerei zeigt die Anbetung Christi durch die heiligen drei Könige.
Die Anbetung der Könige auf dem „Halleiner Tafelmalerei“ fand zwar zu Christi Geburt statt, ihre königlichen Gewänder freilich sind gute 1500 Jahre jünger: Die Dargestellten seien in der „prunkvollen zeitgenössischen Mode der Herrschenden späten Mittelalters“ gezeigt, schreibt Dr. Renate Wonisch-Langenfelder in ihrem Beitrag. Die „Halleiner Tafelmalerei“ ist im Band von „Ars Sacra - Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum“ ein ganzes Kapitel gewidmet. Heute sind von der Ausstattung der Leprosenkapelle nur mehr Reste der Fresken aus dem 15. und 17. Jahrhundert übrig.
Wie kommt dieser Schatz von Hallein nach Salzburg?
„Die „Halleiner Tafelmalerei“ wurde 1858 einige Jahre nach der Gründung des Städtischem Museum (1834) erworben. Und im Jahresbericht des ehem. Museums Carolino Augusteum (SMCA) der Stadt Salzburg unter 1858 nachzulesen. Ein ganz besonderes Geschenk erhielt unsere Sammlung altdeutscher, christlicher Kunstdenkmale durch die Erwerbung des aus der Leprosenhauskapelle in Hallein stammenden altdeutscher Flügelaltare.
Bis zur Kreuzspinne (Christussymbol) im Dachgebälk des Stalls zu Bethlehem dechiffriert Dr. Wonisch-Langenfelder ein Kunstwerk, von dem die meisten Salzburgerinnen und Salzburger vermutlich nicht einmal mehr wissen, dass es existiert. Umrahmt wird die Mitteltafel mit der Anbetung der heiligen drei Könige links vom Heiligen Martin, dem (ebenfalls prunkvoll herausgeputzten) Patron der Aussätzigen, Armen und Bettler, und rechts von Johannes dem Täufer auf (möglicherweise) heimischem Marmor: „Beweist der rotweiß gefleckte Adneter Marmorboden unter seinen Füßen, dass der Altar im Salzburger Land entstanden ist.“
Dankbar ist man für die Geschichte der Kirche, die feine Beschreibung des Altars - und das moderne Foto „Ansicht der Leprosenhauskapelle von Nordosten“, die das Bild von einer von der Straße kastrierten Kirche ein für alle Mal bereinigt.
„Ars Sacra - Kunstschätze des Mittelalters aus dem Salzburg Museum“ ist ein Sammelband von Peter Husty und Peter Laub eine Dokumentation der bedeutendsten geschlossenen Sammlung zum Thema Salzburg im Mittelalter. Der Band ist nach Sachgruppen gegliedert: Altar, Tafelmalerei, Skulptur, Kunst und Handwerk, Buch und Schrift, Glasmalerei, Wandmalerei und Geld sind die thematischen Blöcke, die auch den Bereichen in der Ausstellung entsprechen. „Es war ein ausdrückliches Ziel, auch einmal die Kunsttechnologie in den Blickpunkt zu rücken und konservatorische bzw. restauratorischen Aspekte ausführlich zu dokumentieren“, schreiben die Herausgeber im Vorwort.